Versicherungen und die Finanzmarktkrise – Antworten von Dieter Kipp
Angesichts der spektakulären Bankpleiten treten die Probleme von Versicherungsunternehmen deutlich in den Hintergrund. Wie stark sind diese aus Ihrer Sicht von der Finanzmarktkrise betroffen?
Kapitalanlageergebnisse sind für alle Versicherer eine bedeutende Erfolgsquelle, so dass auch deutsche Versicherungsunternehmen von den derzeitigen Marktturbulenzen betroffen sind. Aufgrund der Abschreibungserfordernisse auch im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere rechne ich durchaus mit schwächeren Ergebnissen in 2008.
Allerdings sorgen strenge Anlagevorschriften und der Ausbau der Risikosteuerungssysteme nach der Krise in 2002 insgesamt für eine stabile Situation. Insbesondere Lebensversicherer, die Kapitalanlagen in Höhe von ca. 700 Mrd. Euro verwalten, können Positionen aufgrund der langen Laufzeit der Lebensversicherungen bis zur Endfälligkeit halten und sind nicht gezwungen, in schlechten Marktsituationen zu verkaufen. Des Weiteren besteht kein Refinanzierungsproblem, da die Kunden laufend Beitragszahlungen leisten.
Wo sehen Sie in nächster Zeit die größten Herausforderungen für Versicherungsunternehmen?
Der Versicherungsmarkt in Deutschland war bereits vor der Finanzmarktkrise nicht einfach. Stagnierende Beitragsentwicklungen bei Sachversicherungen sowie eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen für Lebensversicherungen sind Kennzeichen für ein äußerst herausforderndes Marktumfeld. Aufgrund der Eintrübung der Konjunktur sowie der damit einhergehenden geringeren Abschlussbereitschaft von Privatkunden für langlaufende Lebens- und Rentenversicherungsverträge erwarte ich für 2009 ein schwieriges Jahr mit leicht rückläufigem Neugeschäft. Zudem könnte eine steigende Arbeitslosigkeit auch höhere Stornoquoten im Bestand mit sich bringen.
Im Bereich der Sachversicherungen sehe ich einen unveränderten Wettbewerb, allerdings auch keine Anzeichen für einen Rückgang der Beitragseinnahmen. Dieses gilt allerdings nur für das breite Retailgeschäft. Bei den Industrieversicherern erwarte ich konjunkturbedingte Beitragsrückgänge.
Unverändert werden die Versicherer gezwungen sein, ihre vertrieblichen Aktivitäten zu intensivieren, die Wertschöpfungskette zu optimieren und die Steuerungsinstrumente im Ertrags-, Kosten- und Risikobereich auszubauen. Darüber hinaus ist sicherzustellen, dass die Steuerungsimpulse auch tatsächlich durch entsprechende Maßnahmen umgesetzt werden. Insofern führt die Krise deutlich vor Augen, dass Solvency II kein regulatorischer Selbstzweck ist, sondern die Versicherer gut dran tun, frühzeitig mit der Umsetzung zu beginnen.